Aktuelle Zeit: 2012-02-04, 22:39


  • Informationen zu Keatokonus

  • Informationen über die Behandlung der Augenkrankheit Keratokonus - Vernetzung

    Vernetzung (cross linking) - wie funktioniert das?

    Ein Beispiel für Vernetzung aus dem täglichen Leben findet sich beim Renovieren einer Wohnung. Fast alle haben schon mal nach dem Streichen die Farbreste mit einem Lappen entfernt. Wenn man den Lappen nicht mit Lösungsmittel auswäscht, sondern liegen lässt und er trocknet, dann ist er am nächsten Tag, an den Stellen wo Farbe ist, steinhart. Die Farbe ist in die Zwischenräume zwischen den Fasern im Lappen eingedrungen, ist dort fest geworden und hat dabei die Fasern umschlossen. Jetzt bildet die Mischung von getrockneter Farbe und Fasern eine stabile Fläche. Übrigens funktioniert Stahlbeton nach dem gleichen Prinzip.

    In der Augenhornhaut von Keratokonus Betroffenen sind die Kollagenfasern nicht mehr so stabil und so dicht, wie sie eigentlich sein sollten. Die Ärzte und Wissenschaftler an der Universitäts-Augenklinik in Dresden haben lange überlegt und experimentiert, was die Hornhaut des Auges stabilisieren könnte (auch nach misslungener LASIK). Vorläufiges Ergebnis (seit ca. 10 Jahren) ist, dass mit Riboflavin ein ähnlicher Effekt wie mit Farbe im Lappen erreicht werden kann. Und das, ohne dass die Augenhornhaut undurchsichtig oder anders geschädigt wird.

    Vernetzung (cross linking) - Wann Vernetzen?

    Die Frage, wann eine Vernetzung sinnvoll ist, lässt sich zurzeit noch nicht generell beantworten. Viele Ärzte sind der Meinung, dass eine Vernetzung nur bei progressivem (fortschreitenden) Keratokonus sinnvoll ist, während andere sagen: " ....eine Vernetzung kann nicht schaden; also sofort und alle vernetzen...." Da es noch keine Langzeiterfahrungen bei vielen Patienten gibt, sind weder ausreichend Daten über mögliche Langzeitschäden (die es vielleicht gar nicht gibt) vorhanden, noch wissen die Ärzte sicher, ob eine Mehrfach-Vernetzung alle paar Jahre den Keratokonus komplett stoppen kann. Möglicherweise kann man die Vernetzung nicht unbegrenzt wiederholen.

    Voraussetzung für die Beurteilung des Keratokonus-Verlaufes sind Hornhautscanns, die möglichst vollständig die Strukturen der Hornhautvorder- und Hornhautrückfläche darstellen und die Dicke der Augenhornhaut bestimmen. Zur Beurteilung sind Scanns in halbjahres- oder jahresabständen sinnvoll.

    Vernetzung (cross linking) - Ablauf der OP

    Die OP läft bei allen Ärzten nach einem ähnlichen Schema ab: Nachdem die Betäubung wirkt und die oberste Schicht der Augenhornhaut entfernt wurde (das Epithel), wird Riboflavin (Vitamin B2) auf das Auge getropft. Das Riboflavin dringt dabei in die Oberfläche der Augenhornhaut ein und füllt zum Teil die Zwischenräume zwischen den vorhandenen Kollagenfasern auf. Es gibt verschiedene Riboflavinlösungen für Augenhornhaut mit unterschiedlicher Zellzahl.

    Das Riboflavin trocknet allerdings nicht einfach so, wie z.B. die Farbreste in einem Lappen. Aber die Ärzte haben herausgefunden, dass es mit UVA-Licht klappt: Die Riboflavin-Moleküle verbinden (vernetzen) sich untereinander und mit den vorhandenen Kollagenfasern. Bei der Wahl der richtigen Konzentration der Riboflavinlösung und der Bestrahlungsstärke mit UV-Licht, ist die Behandlung zwar unangenehm, aber das UVA-Licht wird fast vollständig vom Riboflavin und der Hornhaut absorbiert, ohne den Augenhintergrund zu schädigen.

    Bei der Behandlung wir kontinuierlich Riboflavin auf das Auge getropft und 20 oder 30 Minuten mit UV-Licht bestrahlt. Es gibt für dieses Verfahren bereits Bestrahlungsgeräte mit definiertem UVA-Spektrum und -Bestrahlungsstärke.

    Vernetzung (cross linking) - Nach der OP

    Durch die teilweise offene Oberfläche der Augenhornhaut besteht nach der OP die Gefahr einer Entzündung. Zur Heilung werden oft eine Verbandlinse und vorbeugend Medikamente eingesetzt. Die Schmerzen durch die offene Hornhautoberfläche klingen in 12-72 Stunden ab; die Verbandlinse wird je nach Klinik nach ca. 1-4 Tagen entfernt. Das Epithel im Auge bleibt ca. noch 14 Tage gerötet und normalisiert sich dann wieder.

    Bei einigen Patienten kommt es zu Trübungen (Haze, Schleier), Entzündungen oder anderen Komplikationen - auch abhängig von der individuellen Vorgeschichte. Aber die meisten Komplikationen können entsprechend behandelt werden. Das Epithel ist normalerweise nach 1-3 Tagen wieder geschlossen. Die Nachwirkungen der OP, wie zum Beispiel das Abbauen der durch das UV-Licht abgestorbenen Keratozyten aus der Hornhaut und das Einwandern von neuen, sollten nach 6-12 Monaten wieder abgeklungen sein.

    Achtung: Das ist nur eine allgemeine Zusammenfassung der Berichte aus dem Keratokonus-Forum - es gibt keine Garantie für einen Erfolg einer Operation. Im optimalen Fall geht alles gut und die Sicht stabilisiert sich, im schlechtesten Fall gibt es Entzündungen, die Sicht wird schlechter oder sonstige Komplikationen.

    Vernetzung (cross linking) - Was bringt´s?

    Bisher berichten fast alle Betroffenen von einer Stabilisierung des Keratokonus für 3-6 Jahre - also wird die Sicht nicht mehr schlechter. Bei einigen hat sich durch die OP der Astigmatismus etwas geändert: manchmal zum besseren, manchmal zum schlechteren. Das Stadium, in der sich der Keratokonus gerade befindet, wird sozusagen "eingefroren".

    Vernetzung (cross linking) - Eine Lösung für Keratokonus?

    Eine entgültige Lösung für alle ist es sicher (noch?) nicht. Es ist nicht klar, wie sich das vernetzete Kollagen langfristig entwickelt; wie sich die starke UV-Strahlung während der Operation auf Zellzahl und Dichte der Kollagenlagen und die Keratozyten auswirkt. Aus diesen und anderen Gründen sollte eine Vernetzung nur bei fortschreitendem Keratokonus eingesetzt werden, nicht bei einem stabilen.



    Vergrößerung Augenhornhaut


Die hier dargestellten Informationen über Keratokonus und Kontaktlinsen sollen in keinem Fall die fachliche medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen.