Termine für den KeraLens-"Online-Stammtisch" der Keratokonus Selbsthilfegruppe:

2026: 11. Feb. - 8. Apr. - 10. Jun. - 12. Aug. - 14. Okt. - 9. Dez. 2026 (19:00 - 21:00 Uhr)
-- zum Teil mit Medizinern / Kontaktlinsenspezialisten (wird vorab bekannt gegeben).

Dauerhafter Link zum KeraLens-"Online-Stammtisch": https://lecture.senfcall.de/ker-358-fzk-yqk
(Keine Anmeldung, kein Passwort notwendig - einfach per "Click" zur angegebenen Zeit teilnehmen)

Weitere Infos zu den Stammtischen unter: https://www.forum.keratokonus.de/viewforum.php?f=152
(Zusätzlich oder als Alternative zu den regionalen Treffen.)
Die KeraLens-Accounts der Keratokonus Selbsthilfegruppe auf Instagram und Facebook werden im Verlauf von 2026 gelöscht/deaktiviert.

Es werden neue Kanäle aufgebaut, wie z.B. auf Mastodon und Bluesky. Weitere werden folgen.

Weitere Information und Diskussion dazu bitte hier: viewtopic.php?t=6501

Gentest bei Keratokonus ("Wann?" "Ja / Nein") - Kein Recht auf Vergessen

Alle neuen Themen zur Erkrankung Keratokonus, die in den oben definierten Bereichen (noch) nicht eingeordnet werden können. Grenzbereiche. Studien.
andreas
Administrator/in
Posts: 723
Joined: 2003-05-17, 01:21
KC-Experience: Im Studium und im Beruf war es immer sehr anstrengend, mit den Kollegen mitzuhalten - trotz sehr großer Bildschirme und immer "vorne sitzen" bei Präsentationen. Feierabend war wirklich Feierabend; da war keine Kraft mehr für After-Work-Parties oder Work-Out im Fitnessstudio. Langes lesen oder schreiben von Texten war trotz aller Hilfsmittel anstrengend; oder lange Besprechungen mit Präsentationen.

Seitdem ich Rentner bin, kann ich mir meine Zeit / Pausen sehr viel großzügiger einteilen; trotz der regelmäßigen Struktur, die ich meinem Rentnerleben gegeben habe.
Keratoconus since: Die erste richtige Diagnose kam so 1978 - erst irregulärer Astigmatismus, dann Keratokonus. Bis zur richtigen Diagnose habe ich ca. 10 Augenärzte und 3-4 Jahre gebraucht. Seit ca. 2006 stabil in rechts Stufe II-III: links I-II; kaum Veränderungen bei Scanns in 4-6-Jahres-Abständen
Experience with eyeglasses / lenses: Ich komme gut mit verschiedenen Brillen zurecht (Hell&Fern; NormalesTageslicht/Nah; Dunkel/Fern; Dunkel/Nah; reichen fast immer. Früher habe ich gelegentlich Tageslinsen getragen, dass brauche ich nun nicht mehr.
Operationen: Keine OP´s
Begeiterscheinungen: trockene Augen; trockene Haut; Augen-jucken
Has thanked: 334 times
Been thanked: 179 times

Gentest bei Keratokonus ("Wann?" "Ja / Nein") - Kein Recht auf Vergessen

Post by andreas »

Sollte man einen Gentest auf Keratokonus durchführen? Bei Kindern - bei Jugendlichen - im Erwachsenenalter? Welche Fragen kann/soll ein Gentest beantworten?

Risikobewertung
  • Ein positives Ergebnis bestätigt zwar ein potenzielles Risiko für Keratokonus, was aber nicht bedeutet, dass die Erkrankung überhaupt jemals ausbricht.
  • Ein negatives Ergebnis bestätigt zwar, dass genetisch wahrscheinlich kein Risiko vorliegt, was aber nicht bedeutet, dass die Erkrankung nicht dennoch ausbrechen kann.
Große Studien haben keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen genetischem Risiko und Ausbruch der Erkrankung ergeben. Ebenso kann man auch mit negativen Gentest Keratokonus bekommen. Beide Varianten sind möglich.

Medizinischer Nutzen
  • Es gibt zurzeit keine - gentechnische - Behandlungmöglichkeit. Normale augenärztliche Untersuchungen sind hier eher sinnvoll.
Alltag und Zukunft; Test für Kinder und Jugendliche
  • Psychische Auswirkungen auf das alltägliche Leben sind bei einem positiven Ergebnis nicht auszuschließen.
  • Wenn die Untersuchung bereits im Kindes- oder Jugendalter durchgeführt wird, verbleibt ein positives Ergebnis für den Rest des Lebens in den Akten.
  • Es gibt in Deutschland kein "Recht auf Vergessen" bei Diagnosen, durchgeführten Psycho- und sonstigen Therapien oder überstandenen z.B. Krebserkrankungen, die längst aus-therapiert sind und für die aus medizinischer Sicht kein Rezidiv-Risiko mehr besteht.
  • Wenn man später im Leben mal eine private Krankenversicherung, eine Krankenzusatzversicherung, eine Lebensversicherung oder ähnliches abschließen möchte oder eine Beamtenlaufbahn anstrebt, wird man wahrscheinlich eine Überraschung erleben.
  • Auch wenn die Erkrankung nie ausgebrochen ist, wird doch der positive Gentest als dauerhaftes Risiko angesehen. Damit wird man entweder von den Versicherungen ausgeschlossen oder muss einen Risikozuschlag zahlen. Bei beruflicher Karriere kann damit die Beamtenlaufbahn (z.B. Polizei), die Ausbildung zum Piloten oder zum Busfahrer abgelehnt werden.
"Gentest bei Keratokonus" - Somit stellt sich die Frage, wie sinnvoll ein Gentest bei Keratokonus ist, solange das Ergebnis nicht zur Risikoeinschätzung beitragen kann und es keine gentechnische Behandlung gibt.

"Kein Recht auf Vergessen" - Es gibt verschiedene Lösungsansätze für die Problematik, dass es in Deutschland kein Recht auf vergessen gibt. Z.B. werden in der Psychotherapie gelegentlich bei jungen Betroffenen fiktive Patienten angelegt, während die eigentliche Abrechnung über eine "normale" Krankheit in einer anderen Abteilung / Praxis erfolgt, die keine solchen Konsequenzen nach sich zieht.

Was meint ihr? Gibt es weitere Gedanken?

VG
kcmerz
Beiträge: < 10 - Forenrechte eingeschränkt
Posts: 2
Joined: 2010-08-17, 20:17
KC-Experience: Keratoplastik
Has thanked: 4 times
Been thanked: 2 times

Re: Gentest bei Keratokonus ("Wann?" "Ja / Nein") - Kein Recht auf Vergessen

Post by kcmerz »

Daan es ja nicht vorbeugen kann finde ich den Test nicht sinnvoll

PS es gibt Keratokonus auch bei Ehlers Danlos. Wenn diesbezüglich ein Verdacht besteht ist ein Gentest sinnvoll wegen der anderen Begleiterscheinungen von Ehlers Danlos
Mart54
-
Posts: 357
Joined: 2021-06-17, 00:38
KC-Experience: Karrierebeginn 1973 - KPL 1991 re, 1997 li, 2022 li, 2024 li - Transplantatreaktion re 1994 - Korrektur-OPs mit Raffnähten 1993, 2013, 2014 - KK war in der ganzen Zeit nie stabil.
Keratoconus since: Diagnose mit 19
Experience with eyeglasses / lenses: erste KL 1973, nur rechts, war kaum auszuhalten.
1975 KL für beide Augen, Optiker Optenkamp Heilbronn, klasse Betreuung, Tragezeit 3 - 4 h/Tag, 1978 KL angepasst in der Uni Tübingen, hochgasdurchlässig, Tragzeit jetzt 10 bis 12 h/Tag, Wochenenden KL-frei.
1991 KPL re, danach nur noch KL li, re Korr. mit Brille. 1997 KPL li, danach nur noch Brille, zeitweise ein Auge nicht voll korrigiert wegen zu unterschiedlicher Glasstärken. 2013 neuer Versuch mit KL. KL fielen ständig aus den Augen. 2017 OP Grauer Star, jetzt nur noch Brille, aber schlechter Visus. Sklerallinsen seit April 2025 - Tragezeit ca 6 Stunden am Tag
Operationen: KPL 1991 re, 1997 li, 2022 li, DMEK 2024 li -
Korrektur-OPs mit Raffnähten 1993, 2013, 2014 -
Grauer Star re und li 2017
Begeiterscheinungen: Transplantatektasie li u. re
Map-Dot-Fingerprint Dystrophie + Salzmannknoten li
Trockene Augen, hohe Lichtempfindlichkeit, Schatten an Buchstaben, Strahlenkränze um Lichtquellen, Nachtblindheit

Depression, Überlastung

Verschlechterung durch Stress
Mögliche Ursachen: Jeder möchte doch erben, ich hab! Meine Oma hatte auch KK.
Ich über mich: verheiratet, 2 Töchter, 4 Enkel
Singen, Lesen (lassen), Geschichte, Religion
Has thanked: 364 times
Been thanked: 400 times

Re: Gentest bei Keratokonus ("Wann?" "Ja / Nein") - Kein Recht auf Vergessen

Post by Mart54 »

Hallo zusammen,

ich habe mich, dank Deines Beitrags, lieber Andreas, jetzt auch noch mit Gen-Technik befasst.

Das Thema ist sehr interessant, aber auch sehr komplex.

Zuerst schoss mir das Wort Euthanasie durch den Kopf. Mit meinem Keratokonus, der sicher zu den schwereren Fällen zählt - ich habe noch schwerere kennengelernt - und dem psychischen Knacks, den ich sehr eng im Zusammenhang mit meinem KK sehe, wäre ich mit Sicherheit auf einer der NS-Entsorgungslisten gelandet.

Wir haben heute noch ein Rechtssystem, das uns vor solchen Aktionen bewahrt. Die Frage ist eben, wie lange sich unsere Gesellschaft einen Sozialstaat, wie wir ihn haben, leisten möchte. Gesetze sind schnell geändert - und wenn ich vor der Frage stünde „Mein Haus, mein Auto, mein Pferd ...“ oder Lösung der KK-Probleme meines Nachbarn, dann fiele mir die Entscheidung anfangs schwer, und ich würde mich letztendlich dann doch für Tierwohl und für mein Pferd entscheiden.

Gentest können auch zur vorgeburtlichen Diagnose eingesetzt werden.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, und das sind jetzt mehr als 70 Jahre, dann wäre es aus meiner Sicht schade gewesen, wenn meine Eltern dieses Leben verhindert hätten. Kinder mit Down-Sydrom schaffen es heute nicht mehr oft in diese Welt. Klar steht vor jedem Schwangerschaftsabruch eine Beratung. Die Frage ist, was in dieser Beratung vermittelt wird „Was bietet dazu unsere Gesellschaft?“, Welche Belastungen kommen auf Betroffene persönlich zu?“, das Schlimmste „Wie belasten Sie eventuell mit Ihrer Entscheidung unsere Gesellschaft, unser Sozialsystem?“.

Psychisch unter Druck stehe ich auch jetzt. Als unsere Enkelin eine Brille brauchte, gingen bei mir die roten Lichtlein an! Meine Oma hatte Keratokonus, ich hab ihn und es ist wahrscheinlich, dass auch eines meiner Enkelkinder den KK abbekommen wird.

Aber brauche ich deshalb einen Gen-Test?

Es gibt heute Tests, mit denen die Stabilität der Augenhornhaut, und damit das KK-Risiko - geprüft werden kann. Der Test kann heuten an vielen Kliniken durchgeführt werden.

Deshalb Kindern und Enkeln einen Test an eine Uni-Augenklinik mit entsprechendem Equipment empfehlen. Vielleicht hilft ein wenig Jammern einer betroffenen Person bei der Entscheidungsfindung der Eltern weiter.

Frage: Hätte ich als Kind ein Crosslinking bekommen, wie wäre dann mein Leben gelaufen?

Antwort: Vielleicht einfacher; vielleicht wäre ich aber auch ein größerer Armleuchter geworden, als ich es heute bin.

Zum Schluss:

Ein ganz andere Aspekt der GEN- Forschung ist der genetische Fingeabdruck. Dazu bin ich auf ein Buch von Dr. Werner Pflug gestoßen, „Verräterische Gene - Sternstunden der Kriminaltechnik“. Das Buch gibt einen klasse Einblick in den Mikrokosmos der Gene und ist außerdem auch noch Krimi pur.

Liebe Grüße
Martin
"Wir müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen."
(Mahatma Gandhi)