ich möchte mit euch meine Erfahrungen bzgl. formstabiler Kontaktlinsen teilen und habe auch gleich dazu Fragen an euch.
Zuerst die Vorgeschichte.
Die Diagnose Keratokonus bekam ich mit 20 Jahren. Den Test beim Optiker für den Führerschein habe ich damals zwar bestanden, der Optiker meinte allerdings zu mir da wäre etwas und ich sollte mal zum Augenarzt gehen. Nun ja was soll ich sagen, zu der Zeit war ich noch sehr grün hinter den Ohren und habe mich von der gefolgten Diagnose nicht sonderlich beeindrucken lassen. Jahrelang habe ich damit gelebt dann traten die ersten merklichen Probleme bei Nachtfahrten auf. Jahre später kamen auch noch oft Schwindel und Kopfschmerzen hinzu. Doppelbilder bei Text und Objekten wurden leicht transparent, versetzt dargestellt und irritierten. Da ich von dem Keratokonus wusste, kam ich damit klar und lebte damit.
Ich bin inzwischen 37 und fing vor ca 2 Jahren, nach einem für mich sehr einschneidenden Erlebnis, endlich an mich mit mir und meiner Gesundheit (körperlich und geistig) wirklich bewusst auseinanderzusetzen.
Auf der Liste stand natürlich auch meine Sehkraft. Ich habe eine tolle Augenärztin, bei der ich aktuell in Behandlung bin.
Die Diagnose wurde erneut bestätigt, dieses mal zusammen mit einer Augenklinik und genauer Vermessung der Hornhaut. Von meiner Ärztin bekomme ich nun jährlich oder bei Bedarf ein Rezept für die formstabilen Kontaktlinsen.
Einen Optiker mit Erfahrung und Gerätschaft zur genauen Hornhautanalyse / Vermessung gibt es zum Glück bei uns in der Stadt.
Anfangs tat ich mich ziemlich schwer mit den Kontaktlinsen, erachtete dies aber als logisch und normal. Es hat bei mir 3-4 Anpassungen gebraucht bis ich relativ gut mit ihnen zurecht kam. Beim ersten Einsetzen heulte ich noch Rotz und Wasser aber die Sehkraft überwältigte mich einfach! Mein Gedanke war sofort: "Diese Teile möchte ich unbedingt für meinen Alltagsgebrauch haben, hoffentlich gewöhnst du dich schnell daran."
Die ersten zwei Wochen mit den Probelinsen waren erfüllt von gemischten Gefühlen. Ich habe mich stets versucht zu steigern, nach ca 2-3 Wochen konnte ich die KL bereits mehrere Stunden am Stück tragen. Doch zu dieser Zeit merkte ich auch im negativen Sinn wie die Augen sich langsam an die KL anpassten. Abends nach dem Entfernen war ich nicht mal mehr in der Lage 2m weit zu schauen.
Ich denke Sehen hat auch mit subjektiver Wahrnehmung und Gewohnheit zu tun aber mir wurde jetzt bewusst wie stark meine Sehkraft beeinträchtigt ist. Es "nur" zu wissen und es mit voller Härte zu spüren sind doch zwei verschiedene Dinge. Meine Augen oder besser gesagt mein Gehirn kannte einfach nichts anderes und hat vieles versucht zu kompensieren. Vermutlich entstanden mitunter dadurch auch die regelmäßigen Kopfschmerzen.
Die Kopfschmerzen sind komplett verschwunden seitdem ich die KL regelmäßig trage. Sehr selten kommt es manchmal noch zu Spannungskopfschmerzen, diese sind aber von anderem Charakter und meist kenne ich die Ursache für diese.
Unterm Strich bin ich froh die KL zu haben, auch wenn ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge mit ihnen unterwegs bin.
Ich muss sagen ich tue mich allgemein oft etwas schwer in neuen Dingen und lebe vom "Trail and Error", dem Dranbleiben und Wiederholen.
Vernünftig tragen konnte ich die KL bereits einige Monate aber z.B. der Lidreflex (Schließreflex) beim Einsetzen der KL blieb erst nach über einem Jahr aus. Die KL in meinen Alltag zu intigrieren fiel mir hingegen nicht besonders schwer. Das Pflegen und Reinigen nimmt ein bisschen Zeit und Sorgfalt in Anspruch aber gehört dazu wie das Zähneputzen.
Unvorteilhaft ist es natürlich, wenn einem unterwegs etwas ins Auge kommt. Generell muss ich sagen bin ich seit den KL viel abgehärteter was die Augen angeht. Es kommt aber schon mal vor, dass etwas mit dem Tränenfilm nicht herausgespült wird sondern unter der Linse hängen bleibt. Zuhause ist man ja weitestgehend davor befreit oder hat sein Werkzeug griffbereit, unterwegs allerdings ist es doch sehr umständlich und unhygienisch. Ich achte beim Handling der KL sehr penibel auf Sauberkeit und Hygiene.
Wie handhabt ihr das denn unterwegs so? Wenn ich z.B. länger irgendwo zu Besuch bin, nehme ich einfach meine Pflegemittel gut verpackt in einer Tasche mit dort hin.
Die nächste Sache die ich berichten kann ist auch eher unschön bzw lästig. Es kam bereits 3-4x in den zwei Jahren vor dass ich plötzlich einen heftigen Schmerz (Stechen) im Auge, begleitet von heftigem sofortigen Tränenfluss und Hitzegefühl verspürte. Dies legt sich meist nach einigen Minuten wieder aber es bleibt dann ein zu ertragendes aber unangenehmes, stechendes Kratzgefühl. Bis jetzt war immer das linke Auge betroffen welches bei mir auch den ausgeprägteren KK hat. Ich schone das Auge dann immer und trage 2-3 Tage nur die rechte KL. Ohne KL im angeschlagenen Auge merke ich so gut wie gar nichts von dem Stechen. Mein Optiker durfte es auch schon live an meinem Auge begutachten und meinte dazu es wäre eine kleine Verletzung die ich mit Abstinenz aussitzen muss.
Meine Tätigkeiten sind mit viel Bildschirmarbeit verbunden und ich habe oft trockene Augen. Zudem bildet sich nach einiger Zeit eine Art Schmutzfilm unter den KL, der das gesehene Bild und den Tragekomfort ziemlich beeinträchtigt. Mein Optiker hat mir dazu geraten die KL über Nacht mit einem Peroxid-Katalysatorsystem zu reinigen inkl. 1 Tropfen Proteinentferner. Der Reiniger ist von der Firma Sehenswert allerdings nutze ich jetzt den Reiniger der Firma 1A welches vom selben Produzenten zu sein scheint und zudem etwas günstiger als beim Optiker ist. Das Reinigen hiermit klappt ganz gut ist aber zugleich ein zweischneidiges Schwert. Angewöhnt habe ich mir alle 3-4 Tage diese Reinigung durchzuführen.
Am Tag nach der Reinigung tragen sich die KL ohne diese nervigen Ablagerungen bis hin zum Mittag oder Nachmittag, allerdings sind die KL durch diese Reinigung sehr hart und kratzig in den ersten Stunden, teilweise sogar unerträglich. Meine Lösung dazu ist, morgens eine Stunde eher aufzustehen und die KL zuerst noch in die Aufbewahrungslösung (Boston Advance) zu legen. Danach tragen sie sich um einiges besser.
Zur normalen täglichen Pflege verwende ich das eben erwähnte Boston Advance Pflegeset mit dem weißen, milchigen Reiniger und zum Abspülen Kochsalzlösung. Zur Aufbewahrung nutze ich den Boston Advance Conditioner. Nach einigen Tests bin ich bei diesem Set geblieben, da es für mich gut verträglich ist und der Tragekomfort dadurch sehr gestiegen ist.
Aufgrund dieser störenden "Ablagerungen" bin ich gezwungen die KL alle 2-3 oder 3-4 Stunden, je nach Situation, herauszunehmen und mit Kochsalzlösung zu reinigen. Danach setze ich diese mit einem Tropfen Boston Advance Conditioner wieder in die Augen ein. Das Problem mit meinen trockenen Augen ist dadurch so gut wie beseitigt und auch bei Pollenflug (Frühblüher) gibt es weniger Stechen und Jucken.
Zur Allergiezeit, bei mir Hasel und Birke, trage ich die KL also wider erwarten sehr gerne. Lediglich abends nach dem Entfernen der KL fängt es dann direkt danach zu stechen und zu jucken an. Eigentlich ein guter Kompromiss wie ich finde, da die Symptome meist nach ein paar Minuten erträglich werden. Ein ziemlicher Mehrgewinn im Vergleich zu früher. Zu dieser Zeit habe ich auch vermehrt an dem besagten "betroffeneren" linken Auge öfter mal mit einer allergische Bindehautentzündung und oder einem starken Druckgefühl im Augenlied zu kämpfen und hier komme ich nun zu meiner mir am wichtigsten Frage an euch.
Bei der letzten Entzündung, welche ich vorsichtshalber gut 1,5 Wochen habe auskurieren lassen, habe ich stets nur die rechte KL getragen. Und jetzt kommt das, was wie ich finde, wirklich Kuriose. In dieser Zeit fiel mir auf, dass ich die rechte Linse den ganzen Tag tragen kann ohne sie auch nur einmal spülen zu müssen. Selbst nach dem dritten oder vierten Tag hält die Linse locker von morgens bis abends durch, ohne nennenswerte Zwischenfälle und sie fühlt sich dabei an als gehöre sie zu meinem Auge dazu. Sobald ich anfange die linke Linse zu tragen, fangen wieder die üblichen Probleme an. Beide Augen bzw. die Linsen fühlen sich eher unangenehm an und diese Ablagerungen enstehen an beiden Augen.
Ich habe nächste Woche einen Termin bei meinem Optiker und werde ihn darauf ansprechen. Ich bin gespannt was er dazu sagt.
Allerdings möchte ich auch hier in die Runde fragen, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat und weiß was es damit auf sich hat. Ich finde es jedenfalls sehr fragwürdig. Wenn es mit beiden KL so gut klappen würde, wäre ich sehr froh. Vielleicht kann ja noch etwas angepasst werden, die linke KL neigt nach längerem Tragen auch dazu herunter zu hängen oder schief zu sitzen. Meist kann ich dann schon den Rand der Linse sehen, ihr wisst sicher was ich meine.
Ist das normal oder sollte da was angepasst werden?
Ansonsten wenn die Linse sitzt, sitzt sie. Mit der rechten habe ich überhaupt keine derartigen Probleme.
Laut Optiker ist mein Keratokonus eher ungewöhnlich spitz "wie ein Kirchturm" sagte er damals. Vielleicht geht es einfach nicht besser zu optimieren aber was denkt ihr bzw was sind eure Erfahrungen?
Inzwischen könnte ich mich sogar sehr damit anfreunden stets nur die rechte KL zu tragen, ich habe allerdings gelesen es soll über längere Zeit nicht gut sein. Ein weiterer Vorteil wäre, dass ich abends nach dem Entfernen noch viel mehr "Restsehstärke" besitze. Wobei ich hingegen zumeist nach dem Entfernen beider KL sehr unscharf sehe, sodass ich zwar noch Text auf meinem Handy relativ vernünftig lesen kann aber mit den üblichen Einschränkungen die der Keratokonus mit sich bringt.
Ich bin gespannt auf eure Meinungen und hoffe der Text war nicht allzu schwere Kost